Gehen oder bleiben? Welche Fragen du dir vor einer möglichen Trennung stellen solltest
Warum ist es sinnvoll, sich die folgenden Fragen zu stellen, bevor du dich der Frage „Will ich in dieser Beziehung bleiben, oder will ich gehen?“ widmest?
Wenn du dir die folgenden Fragen nicht stellst, sondern dich direkt für eine Trennung entscheidest, dann kommst du sehr wahrscheinlich in deiner nächsten Beziehung schnell wieder an einen ähnlichen Punkt.

In den letzten Jahre habe ich vielfach die Erfahrung gemacht, dass die wenigsten Menschen so etwas wie eine fundierte „Beziehungsausbildung“ erhalten haben. In meinen deutlich mehr als 10.000 Schulstunden stand das Thema „Beziehungen“ jedenfalls nicht einmal auf dem Lehrplan. Die Allermeisten von uns haben die Beziehungsmuster und -prägungen ihrer Bezugspersonen, oder von Hollywoodfilmen und Lovesongs/-stories, übernommen. Somit fehlt häufig sowohl das Wissen, wie auch die Erfahrung, um Beziehungen auf eine andere Weise zu gestalten, als die bisherige.
Die folgenden Fragen sind also möglicherweise auch dazu geeignet, deine bestehende Beziehung stabiler, lebendiger und erfüllender zu gestalten.
Daher lautet die erste Frage auch:
„Wie soll meine Beziehung sein? Möchte ich eine stabile, erfüllende und ekstatische Partnerschaft?"
Oder reicht mir eine „funktionierende“ Partnerschaft, in der wir lieblos und gelangweilt „nebeneinanderher“ leben, bestenfalls wie Freunde oder wie „Bruder und Schwester“, aus?
Wenn du dir eine dauerhafte, erfüllende und ekstatische Partnerschaft wünscht, dann ist es sinnvoll, dass du dir auch die weiteren Fragen stellst. Bitte beachte dabei auch, dass eine Langzeitstudie über mehr als 85 Jahre zu dem Ergebnis kommt, dass Menschen, deren Beziehungen von Wärme und Verlässlichkeit gekennzeichnet sind, nicht nur glücklicher, sondern auch länger leben!
Falls du mit einer funktionierenden Partnerschaft zufrieden bist, und auch keine besonderen Ansprüche an deren Dauer stellst, dann ist es wahrscheinlich sinnvoll, dass du dir jetzt die Frage „gehen oder bleiben?“ stellst. Auf dem Niveau wirst du wahrscheinlich schnell den nächsten Partner/die nächste Partnerin „tindern“ können, sodass auch das Ergebnis der Frage „gehen oder bleiben“ keine nachhaltigen Konsequenzen haben wird.
Wenn du dich jedoch für den Wunsch nach einer warmen, tragfähigen, erfüllenden und ekstatischen Partnerschaft entschieden hast, dann gilt es als nächstes diese Frage zu beantworten:
„Wer ist für die Ergebnisse in meinem Leben verantwortlich?“
Und die Antwort darauf kann nur „Ich!“ lauten!
Denn, nur wenn du die volle Verantwortung für die Qualität deines Lebens und damit auch für die Qualität deiner sämtlichen Beziehungen übernimmst, dann kannst du diese Qualität maßgeblich beeinflußen. Natürlich heißt das nicht, dass das Verhalten deines Partner/deiner Partnerin keinen Einfluß auf die Qualität eurer Beziehung hat. Jedoch liegt es nicht in der Verantwortung unserer Partner:innen, für unsere komplette Bedürfniserfüllung zu sorgen.
Eine liebevolle und erfüllende Partnerschaft ist u.a. davon gekennzeichnet, dass sich beide Partner in der Erfüllung der jeweiligen Bedürfnisse „bestmöglich“ unterstützen. „Bestmöglich“ wird jedoch in den wenigsten Fällen zu einer vollständigen Bedürfniserfüllung führen. Und das ist vollkommen okay. Denn dein Partner/deine Partnerin ist ja kein „Klon“ von dir, der die identischen Bedürfnisse hat.
Du übernimmst die volle Verantwortung, indem du die Erfüllung deiner Bedürfnisse, die nicht durch eure Partnerschaft erfüllt werden, selbst übernimmst, oder dir weitere Personen als Unterstützer suchst.
Ich erkläre diesen Thema so ausführlich, da ich sehr häufig erlebe, dass Menschen die Verantwortung für ihre eigene Zufriedenheit an ihre Partner:innen abgeben. Und hinterfrage dich gerne selbst einmal, ob du bereit bist, die Verantwortung für die komplette Bedürfniserfüllung deiner Partnerin/deines Partners zu übernehmen. Falls dem tatsächlich so sein sollte, nimm bitte schnellstmöglich wahr, welche übermenschliche Last du da gerade bereit bist zu tragen!
Weder die Übernahme der Verantwortung von meinem Partner/meiner Partnerin, noch die entsprechende Abgabe ist erwachsenes Handeln und gesund. Die einzig erwachsene Handlung ist, die volle Verantwortung für MEINE Bedürfniserfüllung zu übernehmen, und meiner Partnerin/meinem Partner, die volle Verantwortung für ihre/seine Bedürfniserfüllung zu überlassen.
Die ungesunde Abhängigkeit von deinem Partner/deiner Partnerin, in die du dich durch die Abgabe von Verantwortung begibst, ist ein weiterer, wichtiger Punkt hierbei. Sobald du Verantwortung, wenn auch nur für einen Teil deiner Bedürfniserfüllung, abgibst, dann machst du dich in diesem Bereich abhängig von der Person. Und Abhängigkeiten vermindern häufig Zufriedenheit.
Im besten Falle ist also für dich eine Partnerschaft durch Wärme, Lebendigkeit und Erfüllung gekennzeichnet und du hast bereits erkannt, dass es sinnvoll ist, die vollständige Verantwortung für die Qualität deiner Beziehung zu übernehmen.
Dann lautet deine nächste Frage:
„Wie gut sind mir meine tatsächlichen Bedürfnisse bewußt?“
Der Begründer der „gewaltfreien Kommunikation“, Marshall Rosenberg, geht in seinem Kommunikationsmodel u.a. von folgender Grundthese aus, der ich voll zustimme: „Jeder Mensch hat das natürliche Bedürfnis einen sinnvollen Beitrag zur positiven Entwicklung seiner Umwelt zu leisten.“
Das bedeutet in meinen Augen auch: Meine Partnerin/meinen Partner bestmöglich bei der Erfüllung ihrer/seiner Bedürfnisse zu unterstützen, ist mir in die Wiege gelegt. Selbst die engagiertesten Partner:innen benötigen jedoch für eine erfüllende Unterstützung meine „Gebrauchsanweisung“. Erfolgreiche „Gedankenleser“ sind, nach meiner Erfahrung, doch eher selten ;).
Um eine präzise Gebrauchsanweisung für mich erstellen zu können, mit der ich meinen Partner/meine Partnerin erst in die Lage versetze, mich „bestmöglich“ unterstützen zu können, ist es erforderlich, dass ich mich selbst gut kenne. Das ist allerdings eher selten der Fall.
Ich erlebe in meinen Coachings immer wieder, dass die Menschen die zu mir kommen, keinen guten Kontakt zu ihren eigenen Bedürfnissen haben. Denn die wenigsten können auf die Frage „wie geht es dir gerade wirklich?“ eine umfassende Antwort geben. Der Fokus ist häufig stark auf den Partner/die Partnerin ausgerichtet und auf die Frage, was er/sie alles tut/unterläßt und dadurch die Beziehung negativ beeinflußt.
Um die Frage „Wie geht es dir gerade?“ umfassend und klar beantworten zu können, braucht es meiner Erfahrung nach eine regelmäßige Beschäftigung mit mir selbst und die Selbst-Erforschung zu folgenden Unterfragen:
- „Wer bin ich wirklich?“ Bin ich eher introvertiert oder extrovertiert? Was sind meine Stärken und Schwächen? Welches sind meine Werte und Leidenschaften? Wofür brenne ich wirklich? Was macht mir Freude?
- „Was brauche ich jetzt gerade intellektuell, körperlich, emotional und energetisch, damit es mir gut geht?“
Auch ich war in den gesamten 15 Jahren unserer Beziehung, mit der Mutter meiner Kinder, nicht mal ansatzweise mit meinen tatsächlichen Bedürfnissen verbunden! Die Erkenntnis und die Motivation, das grundlegend ändern zu wollen, kam mir erst durch unsere Trennung.
Die Tatsache, dass ich heute gut mit meinen Bedürfnissen in Kontakt bin, und mich voll für deren Erfüllung verantwortlich sehe, verdanke ich dem steinigen Weg der letzten zehn Jahre, auf dem mich viele Menschen liebevoll begleitet haben. Neben einer deutlich gestiegenen „Beziehungsfähigkeit“, hat auch meine Resilienz gegenüber den weiteren Herausforderungen des Lebens deutlich zugenommen.
Diese Erfahrungen gebe ich gerne an dich weiter und begleite dich auf deinem individuellen phoenixpfad zu dir selbst.
Mein Fazit
Um eine dauerhafte, erfüllende und ekstatische Partnerschaft erleben zu können, bedarf es bestimmter Voraussetzungen, die dir möglicherweise bisher nicht bekannt sind. Um die Frage „gehen oder bleiben“ auf einer wirklich tragfähigen Basis beantworten zu können, ist es nach meiner Überzeugung sehr sinnvoll, vorher alle fehlenden Voraussetzungen für eine Partnerschaft nach meinen Vorstellungen geschaffen zu haben.
Insbesondere wenn Kinder von einer möglichen Trennung betroffen sind, ist die Erhaltung einer bestehenden Beziehung ein sinnvolles Ziel. Taylor Swift und Lionel Messi sind schließlich auch nicht zu Meister:innen ihres Fachs geworden, weil sie beim erstbesten Widerstand ihre Profession gewechselt haben. Werde du zur Meisterin/zum Meister tragfähiger und erfüllender Beziehungen!